Von der Religion über die Nation ins 21. Jahrhundert

Unlängst habe ich einen sehr interessanten Artikel zum Thema Säkularisierung gelesen, dessen Inhalt ich hier in groben Zügen wiedergeben möchte:

Im frühen Mittelalter schien eine Trennung von Staat und Religion (bzw. Kirche) undenkbar. Der römisch-deutsche Kaiser war vom Papst gekrönt; als weltlicher Herrscher bezog er seine letztliche Legitimität nur durch die Rückbindung an die Religion.

Durch den Investiturstreit im 12. Jahrhundert kam erstmalig überhaupt der Gedanke einer Trennung von weltlicher und geistlicher Herrschaftssphäre auf. Die Verzahnung beider Machtbereiche blieb aber auch die folgenden Jahrhunderten noch eng.

Zu einer schrittweisen Trennung kam es schließlich in der Neuzeit. Veranlasst durch die verheerenden Schäden, die der Glaubenskonflikt zwischen Katholizismus und Protestantismus verursacht hatte, trieb zunächst der französische König die Säkularisierung in seinem Machtbereich voran.

In den folgenden, von der Aufklärung geprägten Jahrhunderten, verlagterte sich die kirchliche Macht mehr auf ihre indirekte Wirkung. Religiöse Institutionen wirken nun mehr auf die inneren Einstellung der Menschen, sodass sich die Religion immer mehr in den privaten Bereich gedrängt wurde.

Im 19. Jahrhundert kam schließlich eine neue, die Menschen verbindende Idee auf: die Nation. Wo zuvor religiöse Gedanken vereinten und die Menschen beflügelten (sowie auch mitunter radikalierten und ausgrenzten), so übernahm diese Rolle nun das Nationale.

Doch wie religiöse Konflikte schließlich zu Glaubenskriegen führten, mündete übersteigerter Nationalismus im 20. Jahrhundert in die verheerenden weltweiten militärischen Auseinandersetzungen. Nach 1945 war schließlich auch der Glaube an das Nationale keine den Menschen haltgebende Idee mehr.

Die Frage, was seitdem vor allem in Deutschland und Europa die verbindende Klammer an der Stelle von Religion und Nation ist, ist eine spannende und mitunter noch zu beantwortende. Nicht zu übersehen ist jedoch ein Idee, die bereits zu Beginn der Neuzeut aufgekommen ist und in eine völlig andere Richtung geht: der Individualismus.

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